Einsatz von Spielern

In dieser Ausgabe wollen wir uns mit Regeln beschäftigen, die mit der reinen Schachpartie direkt nichts zu tun haben. Deshalb sind diesmal auch nicht die FIDE-Regeln im Focus sondern BTO NRW, Spielordnungen, Entscheidungen des BSA und ähnliche Regeln. Bei diesen Regelwerken geht es mehr um den organisatorischen Bereich bei Schachwettkämpfen. Verstöße gegen diese Regeln können aber durchaus gravierende Auswirkungen auf Spielergebnisse haben. Das wurde gerade in dieser Saison in besonderer Weise deutlich. Hinzu kommt, dass diese Regeln teilweise außerhalb des Verantwortungsbereiches des Schiedsrichters liegen. Die Verantwortung liegt zunächst beim Mannschaftsführer und ggf. bei zuständigen Spielleiter.

Wie kann der Einsatz von Spielern Einfluss auf das Spielergebnis haben?

Nun, da kommt folgende Regeln ins Spiel:

10.3 Nachmeldungen

10.3.1 Spieler, die nach dem Meldetermin eine Spielberechtigung für einen Verein erhalten, können als Stammersatzspieler der untersten Mannschaft dieses Vereins an den Mann-schaftskämpfen teilnehmen.

10.4.4 Spieler, deren Vereinsmitgliedschaft im zweiten Kalenderjahr einer Spielzeit erst nach dem 01.01. beginnt, können nur in der untersten Mannschaft des Vereins nominiert werden. Dies gilt auch bei Stichkämpfen

10.7 Folge von Verstößen:

10.7.2 Die unberechtigte Nominierung eines Spielers führt zum Verlust des gesamten Kampfes.

Die Frage Nachmeldung und der Einsatz von nachgemeldeten Spielern ist, wie ihr an den Artikelnummern erkennen könnt noch viel komplexer. Um den Überblick nicht zu verlieren, beschränke ich mich für die ersten beiden Fälle auf die wesentlichen Artikel.

Es gab in dieser Saison zwei Vorfälle, bei denen Spieler in höheren Mannschaften als Ersatzspieler zum Einsatz kamen, die erst nach dem 01.01.2019 als aktive Spieler der jeweiligen Vereine gemeldet wurden.

Beide betroffenen Vereine hatten in der vergangenen Saison mindestens 2 Mannschaften gemeldet.

Das Problem, weshalb ich beide Fälle anspreche, ist, dass diese „Verstöße“ unterschiedlich beurteilt wurden.

Laut Regelwerk bedeutet das zunächst, dass diese nachgemeldeten Spieler nur in der letzten oder, um den Sprachgebrauch der Regeln zu verwenden, in der untersten Mannschaft zum Einsatz kommen dürfen (Artikel 10.4.4 BTO NRW).

Fall 1

Im 1. Fall kam es in der 6. Runde zur Begegnung Kierspe II - Drolshagen II. Kierspe II setzte dabei einen Spieler ein, der erst im Laufe des Jahres 2019 nachgemeldet worden war.

Da Kierspe in dieser Saison drei Mannschaften gemeldet hatte, hätte dieser Spieler, laut dem schon erwähnten Artikel nur in der 3. Mannschaft zum Einsatz kommen dürfen.

Folge daraus, nach Artikel 10.7.2 wurde der erkämpfte 6 : 2 Sieg für Kierspe II in eine 0 : 8 Niederlage umgewandelt.

So hart diese Entscheidung für Kierspe auch war, sie entsprach den Regeln und war diesen relativ einfach zu entnehmen.

Fall 2

Im 2. Fall, der die Begegnung Gummersbach-Drolshagen I betrifft, ist dies nicht ganz so einfach. Jedenfalls nicht für mich. Trotz langer Diskussion mit sowohl dem Verbandsspielleiter als auch dem NRW-Spielleiter ist es mir bisher nicht möglich, die Auslegung für diesen Ausnahmefall an Hand der Regeln nachvollziehen zu können.

Ich kann Euch an dieser Stelle nur darstellen wie in diesen Ausnahmefall gehandelt wird.

Wieso eigentlich Ausnahmenfall? Nun, da kommt eine Grundsatzentscheidung des Bundesspielausschusses (BSA) des Schachbundes NRW ins Spiel. Genauer gesagt, es handelt sich um die Nr. 25 :

Nr. 25 10.3/10.4/10.7 BTO, Zum Begriff „Unterste Mannschaft“ (24.11.95) Spielen mehrere Mannschaften eines Vereins in der gleichen Klasse und gehört zu diesen auch die unterste Mannschaft, gelten alle Mannschaften, die der Verein in dieser Klasse unterhält, als unterste Mannschaft.

In der angesprochenen Begegnung setzte Drolshagen I einen Spieler ein der erst nach dem 01.01.2019 gemeldet wurde. Soweit die gleiche Situation wie in Fall 1. Doch nun der Unterschied. Drolshagen

Doch nun der Unterschied. Drolshagen hatte in der vergangenen Saison zwei Mannschaften gemeldet, welche beide in derselben Spielklasse spielten. Aus diesem Grund kam BSA Nr. 25 mit folgenden Wirkungen ins Spiel.

Ich beschränke mich bei der weiteren Beschreibung auf den konkreten Fall. Die Ausführungen gelten natürlich auch für Vereine, die sowohl in dieser Spielklasse mit noch mehr Mannschaften als auch in höheren Spielklassen mit weiteren Mannschaften vertreten sind.

Die 1. Mannschaft darf zu den Stammspielern auch noch eine beliebige Anzahl sog. Stammersatzspieler melden. Diese Stammersatzspieler sind nur für die 1. Mannschaft spielberechtigt.

Die 2. Mannschaft meldet für sich nur die Stammspieler. Alle Spieler die nach dem letzten Stammspieler dieser Mannschaft gemeldet werden, gelten als Stammersatzspieler beider Mannschaften. Sowohl die 1. als auch die 2. Mannschaft dürfen sich aus diesem Spielerpool bedienen.

Spieler aus diesem Pool, gelten, sobald sie in einer der Mannschaften zum Einsatz gekommen sind, für diese als Stammersatzspieler. Sie können dann in dieser Mannschaft so oft wie nötig eingesetzt werden. Sie dürfen allerdings nicht mehr in der anderen Mannschaft eingesetzt werden.

Unter diesen Voraussetzungen war also der Einsatz des nachgemeldeten Spielers in dieser Partie regelkonform.

Wer Fragen oder Bemerkungen zu den behandelten Themen hat, kann mir eine Mail schicken (getraenke-korb@tonline. De)

Guido Korb