algebraische Notation

Einleitung

Die FIDE erkennt bei ihren eigenen Turnieren nur die algebraische Notation zur Aufzeichnung von Zügen an.

  • Partie­formulare, die ein anderes System ver­wen­den, dürfen in den Fällen, in denen üblicher­weise das Partie­formular eines Spielers als Beweis­mittel verwendet wird, nicht als Beweis­mittel verwendet werden.
  • Wenn ein Schieds­richter bemerkt, dass ein Spieler nicht das alge­bra­ische System verwendet, soll er ihn warnend darauf auf­merk­sam machen.
  • Die FIDE empfiehlt die algebraische Notation auch für Schachbücher und Zeitschriften zu verwenden.

Mit dem Wort "algebraisch" wird der Unterschied zum "beschreibenden System" deutlich gemacht:

Das algebraische System verwendet einheitliche Koordinaten, wobei die Reihen (1-8) und Linien (a-h) jeweils aus abzählbaren Elementen bestehen.

Figuren

Figuren werden mit einem Groß­buch­staben ab­ge­kürzt. Im deut­schen ist es der ers­te Buch­sta­be des Na­mens (Bauern­züge schreibt man ohne Ab­kür­zung):

Abk.Bedeutung KKönig DDame TTurm LLäufer SSpringer (B)Bauer


Jeder Spieler hat das Recht, die in seiner Landessprache üblichen Abkürzungen der Figurennamen zu verwenden.

Weil die Abkür­zun­gen der Figuren in den ein­zel­nen Spra­chen un­ter­schied­lich sein kön­nen, empfielt die FIDE für ge­druck­te Veröffent­lichun­gen statt der Abkür­zun­gen Fi­gu­ri­ne zu ver­wen­den (Fi­gu­ri­ne sind klei­ne Sym­bol­bil­der).

deutschenglischFigurine K = KönigK = King D = DameQ = Queen T = TurmR = Rook L = LäuferB = Bishop S = SpringerN = kNight (B) = Bauer(P) = Pawn


Es ist nütz­lich auch die eng­li­schen Na­men und Ab­kür­zun­gen der Fi­gu­ren zu ken­nen.

Linien

Die 8 Linien werden mit den klein­ge­schrie­benen Buchstaben a, b, c, d, e, f, g und h an­ge­geben.

Die Buchstaben stehen am Rand des Schach­brettes.

Aus weißer Sicht ver­lau­fen sie von Links nach Rechts, aus schwar­zer Sicht von Rechts nach Links.

Reihen

Die 8 Reihen werden von unten nach oben mit den Ziffern 1 bis 8 nummeriert, so das die weißen Bauern auf der 2ten Reihe stehen und die schwarzen auf der 7ten Reihe sind.

Felder

Durch die Linien und Reihen erhält jedes Feld auf dem Schachbrett einen eindeutigen Namen. Der Name wird durch einen kleingeschriebenen Buchstaben und eine Zahl angegeben.

Beispiele für Felder: a1, e4, h8.

Figuren bewegen

Abk.Bedeutung  -zieht nach 1  x schlägt 2  :schlägt 3

    Was sagen die Regeln dazu?
  • "-": Ein Bindestrich vor dem Zielfeld ist nicht notwendig.
  • "x": Wenn eine Figur schlägt, kann ein "x" vor dem Zielfeld eingefügt werden.

3 Den Doppelpunkt als Abkürzung gibt es laut Regeln nicht. Weil er aber manchmal verwendet wird, ist er hier mit aufgelistet.

Verwende ihn nicht beim Aufschreiben deiner eigenen Partien.

Früher wurde der Bindestrich in der ausführlichen Notation verwendet.

2 Während die Regeln sagen, dass man beim Schlagen einer Figur ein x einfügen darf, ...

1 ... ist die Formulierung beim Bindestrich irritierend.

Vermutlich will die Regelkommision den Bindestrich auf lange Sicht abschaffen, aber es im Moment noch nicht bestrafen, wenn jemand ihn aus Gewohnheit weiter verwendet.

Züge

Abk.Bedeutung 0-0kurze Rochade 0-0-0lange Rochade

Zusätze

Hinter einem Zug darf man folgendes ergänzen:

Abk.Bedeutung +Schach #Matt e.p.en Passant

Remisangebote

Abk.Bedeutung (=)Remisangebot


Jeder Spieler muss ein Remisangebot auf seinem Partieformular mit (=) bei dem entsprechenden Zug notieren.

Bauernumwandlung

Bei der Bauernumwandlung schreibt man die Figur, in die umgewandelt wird hinter das Zielfeld.

Beispiele: e7e8D, e8D, a7xb8D

Züge aufschreiben

Die Züge werden, angefangen mit dem ersten Zug, durchnummeriert. Jeder Zug besteht aus einer Nummer, einem Zug von Weiß und einem Zug von Schwarz.

Beispiel: 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3. Lc4

Zug Nr.Zug von
Weiß
Zug von
Schwarz
1e4e5 2Sf3Sc6 3Lc4
ausführliche Notation
Reihenfolge Figur Startfeld Bewegung Zielfeld Zusätze


Weil man bei der ausführlichen Notation das Start- und Zielfeld aufschreibt,muss man zwar mehr schrei­ben, hat aber auf der anderen Seite den Vorteil das jeder Zug immer ein­deutig auf­ge­schrie­ben ist.

Beispielpartie

1.e2-e4 e7-e5 2.Sg1-f3 Sg8-f6 3.d2-d4 e5xd4 4.e4e5 Sf6-e4 5.Dd1xd4 d7-d5 6.e5xd6 e.p. Se4xd6 7.Lc1-g5 Sb8-c6 8.Dd4-e3 + Lf8-e7 9.Sb1-d2 0-0 10.0-0-0 Tf8-e8 11.Kc1-bl (=)

Erläuterung der Beispielpartie:

ZugZug WeißBeschreibung WeißZug SchwarzBeschreibung Schwarz 1e2-e4Bauer zieht von Feld e2 nach Feld e4e7-e5schwarzer Bauer zieht von e7 nach e5 2Sg1‑f3Springer zieht von g1 nach f3Sg8‑f6Springer von g8 nach f6 3d2-d4Bauer von d2 nach d4e5xd4Bauer e5 schlägt auf d4

(was er dort schlägt, kann man in der Notation nicht erkennen. Beim Nachspielen der Partie nimmt man einfach die Figur des Gegners weg, die auf diesem Feld steht.)
4e4-e5Bauer zieht von e4 nach e5Sf6-e4Springer zieht von f6 nach e4 5Dd1xd4Dame von Feld d1 schlägt etwas auf dem Feld d4d7-d5Bauer von d7 nach d5 6e5xd6 e.p.Bauer von Feld e5 schlägt auf dem Feld d6 en Passant.Se4xd6Springer von e4 schlägt auf d6 7Lc1‑g5Läufer von c1 nach g5Sb8­c6Springer von b6 nach c6 8Dd4-e3+Dame zieht von Feld d4 nach e3 und gibt schach.Lf8‑e7Läufer von f8 nach e7 9Sb1‑d2Springer von b1 nach d20-0kurze Rochade 100‑0‑0lange RochadeTf8-e8Turm von f8 nach e8 11Kc1‑b1 (=)König von c1 nach b1 und bietet Remis an
verkürzte Notation

Der Sinn der verkürzten Notation ist weniger aufschreiben zu müssen.

Das Ausgangsfeld und der Binde­strich werden dabei grund­sätzlich weg­gelassen. Nur wenn der Zug dadurch nicht mehr eindeutig wäre, wird ein Teil des Ausgangsfeldes aufgeschrieben.

Der Trend geht sogar dahin alles weg­zu­lassen, was man weglassen kann: neben dem Startfeld und dem Bindestrich wird auch das "x" beim Schlagen weggelassen, Schachgebote, en Passant u.s.w. werden ebenfalls weggelassen.

    Man schreibt nur noch auf, was man min­des­tens braucht um die Partie nach­spielen zu können:
  • die Figur
  • das Zielfeld

Wenn das nicht eindeutig ist, weil mehrere der unter "Figur" notierten auf das Zielfeld ziehen können, ergänzt man noch die Reihe und/oder Linie des Ausgangsfeldes.

Eindeutigkeit

Das mit der Eindeutigkeit hört sich komplizierter an, als es in Wirklichkeit ist. Schauen wir uns ein paar Beispiele an.

Beispiel 1:

Nehmen wir an, wir wollen in der folgenden Stellung einen Turm auf das Feld d1 ziehen:

44332211 abcd efgh

Normalerweise würden wir nur "Td1" als Zug aufschreiben.

Es gibt aber zwei Möglichkeiten einen Turm nach d1 zu ziehen: den Turm von der a-Linie oder den Turm von der f-Linie.

Damit man später weiß welcher Zug gemacht wurde, ergänzen wir die Ausgangslinie: wir schreiben als Zug "Tad1" oder "Tfd1" auf.

 

Beispiel 2:

Nehmen wir an, wir wollen in der folgenden Stellung einen Turm auf das Feld a2 ziehen:

4321 abcd

Der Zug "Ta2" ist nicht eindeutig, in diesem Fall ergänzen wir die Reihe und schreiben "T1a2" bzw. "T4a2" als Zug auf.

 

Beispiel 3:

Nehmen wir an, wir wollen in der folgenden Stellung einen Turm auf das Feld c1 ziehen:

4321 abcd

Der Zug "Tc1" ist nicht eindeutig.

Wir könnten uns hier aussuchen, ob wir die Reihe oder die Linie ergänzen.

Wenn beides möglich ist, soll man die Linie ergänzen. D.h. wir scheiben als Zug "Tac1" oder "Tcc1" auf.

 

Beispiel 4:

Nehmen wir an, wir wollen in der folgenden Stellung einen Springer auf das Feld c2 ziehen:

44332211 abcd efgh

Weder das Einfügen der Reihe noch das Einfügen der Linie macht den Zug eindeutig:

Egal ob wir Sac2, Sec2, S1c2 oder S3c2 schreiben würden - es gibt immer noch zwei Möglichkeiten.

Wenn das Einfügen von Reihe oder Linie nicht reicht, muss man beides einfügen: Sa1c2, Se1c2, Sa3c2 oder Se3c2 muß hier als Zug aufgeschrieben werden.

 

Erfahrungen aus der Praxis:

Bei Turm- und Springerzügen muss man häufig auf die Ein­deu­tig­keit achten. Man muss auch auf­passen, wenn ein Spieler durch Um­wand­lung mehrere Damen hat.

abcd efgh 88776655 44332211 abcd efgh

Bei Springern kommt es oft vor, wenn ein Springer schon gezogen wurde und der andere auf das Feld vor Dame oder König gezogen werden soll.

 

Bauern

Wenn ein Bauer schlägt, muss zusätzlich zum Zielfeld die Ausgangslinie notiert werden.

Beispiele: exf6, dxe5, gf3, ab6

Beispielpartie

1.e4 e5 2.Sf3 Sf6 3.d4 ed4 4.e5 Se4 5.Dd4 d5 6.ed6 Sd6 7.Lg5 Sc6 8.De3 + Le7 9.Sbd2 0-0 10.0-0-0 Te8 11.Kb1 (=)

    Hinweis:
  • Schlag­züge kann man in dieser Form der No­ta­tion nicht mehr er­ken­nen. Beim Nach­spielen sieht man wenn eine Figur auf dem Ziel­feld steht, die geschlagen werden muss.

Erläuterung der Beispielpartie:

ZugZug WeißBeschreibung WeißZug SchwarzBeschreibung Schwarz 1e4Bauer zieht auf Feld e4e5Bauer zieht nach e5 2Sf3Springer nach f3Sf6Springer nach f6 3d4Bauer nach d4ed4Bauer von der e-Linie schlägt auf d4. 4e5Bauer nach e5Se4Springer nach e4 5Dd4Dame nach d4d5Bauer nach d5 6ed6Bauer von der e-Linie schlägt auf d6Sd6Springer nach d6 7Lg5Läufer nach g5Sc6Springer nach c6 8De3Dame nach e3Le7Läufer (nach) e7 9Sbd2Springer von b-Linie nach d20-0kurze Rochade 100-0-0lange RochadeTe8Turm (nach) e8 11Kb1 (=)König (nach) b1 und Remisangebot von Weiß